Denkfehler 4.0

Wie sieht die Zukunft des Netzwerkens aus? Diplom Informatikerin Stephanie Borgert gibt im Interview ihre Inputs zum Thema Networking im 21. Jahrhundert.

Netzwerken im 21. Jahrhundert

Die Digitalisierung wirft einige Fragen rund ums Thema Netzwerken und zwischenmenschliche Kontakte auf – Stichworte: Social Media oder Pflegeroboter – weshalb ich eine eigene Themenserie dem Netzwerken im 21. Jahrhundert widmen möchte. Für den ersten Teil der Serie habe ich heute einen besonderen Gast: Diplom Informatikerin Stephanie Borgert!

“Irgendwas ist immer…”

Komplexität gehörte immer schon zu Ihrem Tagesgeschäft – als Führungskraft in der IT-Branche, im Management des eigenen Unternehmens ebenso wie bei der Beratung großer Projekte. Sie war Managerin und Führungskraft in mehreren System- und Softwarehäusern,
inklusive des Auf- und Ausbaus von Geschäftsbereichen:

  • Key-Account-Management für den größten Telekommunikationskonzern Europas
  • Projektmanagerin mit Multimillionen-Budget
  • Krisenmanagement in globalen Projekten mit mehreren Tausend Anwendern

Heute schreibt sie an ihrem 7. Buch und wird uns hier im Interview ihre Experten-Inputs zum Thema „Denkfehler 4.0“ geben.

Liebe Stephanie, eines Deiner Bücher heißt „Unkompliziert“ – Wie netzwerkt man unkompliziert?

Ich netzwerke dort,

  • wo es leicht ist,
  • wo es Sinn macht,
  • wobei ich mich nicht verbiegen muss

Ich mache einfach keinen großen Aufwand darum.

Netzwerken geht ja sehr individuell und unterschiedlich. Wie sieht denn die Zukunft des Netzwerkens aus, mit all den Automatisierungsmöglichkeiten?

Eventuell wird es eine App für Netzwerke geben, eine KI (Künstliche Intelligenz) wertet aus, welches Netzwerk für mich das beste sein kann. Doch in meinen Augen funktioniert echtes Netzwerken nur persönlich, von Mensch zu Mensch.

„Netzwerken geht in meinen Augen nur höchstpersönlich – es geht darum, Kontakte zu etablieren und den Menschen echt zu begnen.“

Wie netzwerkt die nächste Generation, ist es bei den „Jungen“ anders?

Wir „Alten“ sind halt immer noch auf Facebbok, die Jungen schon auf ganz anderen Plattformen wie Instragram und SnapChat. Viel läuft über Whatsapp oder auch via Onlinekonferenzen, wie hier bei uns gerade.

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Nur ausnahmsloser Online-Kontakt kann in meinen Augen auf Dauer nicht funktionieren. Es fehlt ein ganzes Stück echte Begegnung – auch bei der jüngeren Generation.

Online Plattformen kann man für den Erstkontakt nutzen, dafür eignen sie sich schon gut. Nur um Vertrauen aufzubauen, braucht es den persönlichen Kontakt, gemeinsame Aktivitäten, die über schriftliche Kommunikation hinausgehen.

Bei Flash Mops zum Beispiel geht es auch um das gemeinsame Tun – echte Beziehungen entstehen beim gemeinsamen Tun. Deshalb haben auch virtuelle Teams besondere Herausforderungen und Schwierigkeiten.

„Echte Beziehung entsteht beim gemeinsamen Tun.“

Worauf müssen wir uns für die Zukunft vorbereiten?

Es werden viel mehr Veranstaltungen online und virtuell stattfinden. Dazu braucht es auch die richtige Einstellung, dass das auch OK ist, gewisse Veränderungen und Neuerungen mitzumachen, aber dass wir dabei auch alle dafür sorgen, dass es den persönlichen Kontakt nicht ersetzten wird.

In Japan gibt es z.B. schon Menschen, die mit Robotern in Frauenform zusammenleben und das als echte Partnerschaft empfinden. Auch für den Pflegefall wird das schon diskutiert. Nur das wünsche ich mir selber nicht als Normalfall.

Nach heutigem Stand können Roboter aber noch nicht pflegen, jemanden aus dem Bett zu holen ist für sie derzeit unmöglich. Sie können uns unterstützen, aber nicht ersetzen – und schon gar nicht die zwischenmenschliche Beziehung.

Du sprichst ja auch bei uns bei der langen Nacht der Inspiration am 17.3. 2020 in Hartberg, dein Vortrag heißt „Denkfehler 4.0“ –

Warum ist Digitalisierung unser kleinstes Problem?

Zum einen löse ich den Mythos auf, dass es den Hype um die Digitalisierung gibt. Ich bin Informatikerin, wir digitalisieren seit wir mit Null und Eins umgehen können. Es ist die stetige Weiterentwicklung der Elektronisierung, nicht mehr und nicht weniger. Seit Jahren wird hierüber binär, also alles schwarz-weiß diskutiert. Alles ist entweder gut oder schlecht. Das will ich auflösen.

Die Herausforderung, vor der wir heute stehen, ist weniger eine technologische, als unser Denken. Wir sind zu sehr darauf trainiert, linear zu denken und schnell Lösungen zu finden. Wir haben verlernt zu beobachten, auf die Wirkungszusammenhänge zu achten, zu betrachten, welche Dynamiken denn laufen. Wir tendieren zu schnellen Lösungen.

„Wir brauchen eine andere Art Nachzudenken. Wir tendieren zu schnellen Lösungen. Wir haben verlernt zu beobachten.“

Wir müssen komplex Denken – und das unkompliziert. Um diese Unterschiede wird es auch am 17.3. in meinem Vortrag gehen.

Dein bester Tipp für die Zukunft?

In dem „Film Per Anhalter durch die Galaxis“ sagt Douglas Adams: Don’t Panic! – Mehr selber in Ruhe denken, anstatt in Panik auszubrechen und schnelle Lösungen zu präsentieren. Das ist auch mein Appell.

Auch mit Nichtwissen werden wir in Zukunft umgehen lernen müssen. Der Vernetzungsgrad und das Wissen sind inzwischen so angestiegen, dass es unmöglich für einen ist, auf alles Antworten parat zu haben. Daher ist es völlig in Ordnung auch mal zu sagen: „Ich weiß es nicht.“

Vielen Dank für das Gespräch und ich freue mich auf den 17. März bei der langen Nacht der Inspiration!


Weiterführende Links:

Stephanie Borgert im Web: www.stephanieborgert.de

Die lange Nacht der Inspiration: Alle Infos hier.

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