Netzwerken der nächsten Generation

Instagram, Snapchat und TikTok sind aktuell die beliebtesten sozialen Medien für junges Publikum. Wie sieht das Netzwerken auf ​diesen Plattformen aus und was hat sich in jüngster Zeit für ​das Pflegen sozialer ​Beziehungen verändert?

Wie netzwerkt die junge Generation?

Facebook ist längst von gestern. Instagram, Snapchat und TikTok sind aktuell die beliebtesten sozialen Medien für junges Publikum. Wie sieht das Netzwerken auf ​diesen Plattformen aus und was hat sich in jüngster Zeit für ​das Pflegen sozialer ​Beziehungen verändert? Für den zweiten Teil der Serie “Netzwerken im 21. Jahrhundert” habe ich Kommunikationsunternehmer Dr. Josef Mantl, M.A. interviewt, den Experten für Netzwerke und Communitybuilding​.

Lieber Josef Mantl, du bist Kommunikationsexperte – was hat dich auf das Feld „Social Media“ geführt?

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Durch meine Beschäftigung mit Events, Kampagnen und Marketing habe ich mich auch mit Kommunikation via Social Media beschäftigt, vor allem auch mit jungen Menschen. Durch mein Studium in den USA kam ein besonderer Aspekt der digitalen Medien hervor: Facebook. Es wurde schließlich zur zentralen Kommunikationsplattform für die nächste Generation. Es ist hochinteressant zu sehen – und das sage ich schon fast augenzwinkernd und schmunzelnd, obwohl es eigentlich nicht einmal zum Lachen ist – wie stark sich die Plattformnutzung verändert; denn jetzt haben wir alle uns ganz intensiv damit auseinandergesetzt, Facebook in unsere

Kommunikationsstrategien zu implementieren, haben dem Umgang damit erlernt – von Content Management bis zum Schalten von Werbung – und wenn man jetzt einen jungen Menschen fragt: Bist du auf Facebook? bekommt man die Antwort: Nein eher nicht, ich bin auf Instagram, auf Facebook ist meine Mutter oder gar die Oma.

(Lacht) So ist es – wir, die “Oldies”, sind jetzt alle auf Facebook und die Jungen sind schon längst wo anders! Deshalb nun die Frage: Wo netzwerken denn jetzt die Jungen? Was machen sie anders?

Die Jungen sind jetzt ganz stark auf Instagram und Snapchat aktiv, TikTok ist auch im Kommen. Aber die große Plattform zur Eigendarstellung ist Instagram: Das geschieht dort durch Fotos und über die Stories, die nur 24 Stunden online sind. Durch diese zeitliche Beschränktheit der Stories trauen sich die Leute auch mehr preiszugeben, was sie vielleicht nicht in ein Posting stecken wollen, das dauerhaft auf ihrem Profil aufscheint. Dadurch ist wiederum eine größere Authentizität und Lockerheit in den Stories vorhanden, was das ganze wiederum spannend für die Follower macht und auch zur Interaktion einlädt. Über den integrierten Messenger kann man auf Instagram auch kommunizieren. Anmerken möchte ich aber, dass Instagram ohnehin inzwischen zu Facebook gehört, aber als Plattform zielt es eben vorwiegend auf jüngeres Publikum ab.

Die andere Kommunikationsplattform ist Snapchat, auf der sich unkompliziert Videos, Fotos und Nachrichten verschicken lassen, die dann auch wieder verschwinden – das ist sehr beliebt bei den jungen Menschen.

Wie geht die junge Generation dann eigentlich vor, wenn sie Kontakte knüpfen, ein Netzwerk aufbauen wollen? Geschieht das nur mehr online, in Chatrooms, oder ist das persönliche Gespräch nach wie vor von Bedeutung?

Persönliche Kontakte sind absolut wichtig. Wenn man sich die Bilder und Stories ansieht, merkt man schnell, dass es eigentlich fast immer um’s Persönliche geht: Man dokumentiert und teilt Freizeiterlebnisse, Treffen mit Freunden, in der Schule, Familie usw., lässt so andere daran teilhaben und die können das dann kommentieren. Ein weiterer essentieller Punkt ist das Markieren (Taggen) von Freunden, mit denen etwas gemeinsam erlebt wurde. Durch solche Tags erscheint dann nämlich der besagte Post oder die Story für die Kontakte beider Parteien und erreicht so noch umso mehr Leute. Die Vernetzung wird also in der persönlichen Begegnung ganz stark praktiziert und dann digital, selbstbewusst und stolz – fast mit einer gewissen Eitelkeit – dargestellt. Die reale Vernetzung ist also nach wie vor das, was zählt.

„Die Vernetzung wird in der persönlichen Begegnung praktiziert und dann digital dargestellt.“

Was würdest du denn jemandem wie mir empfehlen, wenn es ums Netzwerken mit jungen Menschen geht? Hat sich da in der Art und Weise wie genetzwerkt wird etwas verändert?

Das Lustige ist, dass durch die neuen Möglichkeiten auch eine gewisse neue Skepsis entstanden ist: Skepsis gegenüber Personen, die man nicht persönlich, also (bislang) nur übers Internet kennt. Da ist man nicht mit jedem so offen in der Kommunikation, denn es könnte sich ja auch um einen Fake handeln, man weiß nicht so recht, wer denn wirklich dahinter steckt. Das heißt also, dass das persönliche Treffen auch als Prüfungselement ein wesentlicher Aspekt für den Beziehungsaufbau ist. Das soziale Netzwerk dient als Erweiterung, die das Ganze positiv und erfolgreich darstellt, ersetzt aber nicht die Selektivität des persönlichen Netzwerks. Die Plattformen für diesen Zweck auch einzusetzen ist schon empfehlenswert – und zwar über alle Generationen hinweg.

Ein Beispiel: Wenn wir uns bislang in Graz auf einen Kaffee getroffen haben, dann haben wir uns eben in Graz auf einen Kaffee getroffen. Heute könnte das eine ganz andere Breitenwirkung haben: Wenn wir uns eine halbe Stunde lang in Graz auf einen Kaffee treffen und das auf Facebook posten, dabei ein Foto machen und noch dazu eine Story auf Instagram stellen, dann erreicht das Leute von Graz über Wien bis quer durch Europa, wo immer wir Kontakte haben. Die werden dann teilweise auch darauf reagieren und sich an uns erinnern – es kann also bereits eine kurze Begegnung breitere Wellen schlagen, die die Leute sehr emotionalisiert mitleben lässt. Natürlich ist es eine persönliche Entscheidung, ob man das auch macht.

Heißt das, du bist dann während des Treffens damit beschäftigt, deine Social Media Kanäle zu bedienen?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst. Viele Leute wollen das auch bewusst nicht tun. Zwar dauert es meist nur wenige Minuten, so ein Posting zu erstellen, aber ich finde schon, dass man sich das vorweg ausmachen sollte, ob es in allseitigem Einverständnis geschieht. Als Gentleman sollte man sich schon die Erlaubnis seiner Gesprächspartner dafür einholen, denn es wird doch häufig als unhöflich empfunden. Aber wenn wir über die junge Generation reden, muss man auch dazusagen, dass die ständige Implementierung des Smartphones in den Gesprächsverlauf schon viel mehr akzeptiert ist und nebenher immer wiedermal gewischt und geswipet wird.

Teilweise ist übrigens auch die Banalität der Wiedergabe lustig: Da reicht oft wirklich nur ein kurzes Schwenken des Handys über den Kaffee, mit Tagging der anderen Person und dem Text „Coffee with Magda Bleckmann“ und schon wissen Dutzende, dass wir uns gerade getroffen haben. Ich schmunzle zum Teil selber darüber, aber diese Breitenwirkung des Smartphones ist doch recht faszinierend und nicht zu vernachlässigen.

Jetzt hat sich in den letzten fünf Jahren ja wieder einiges verändert, auch in Hinblick auf Smartphones. Als Kommunikationsexperte bist du ja doch immer am Puls der Zeit – wo siehst du denn diese Entwicklung in Zukunft noch hingehen? Werden wir bald mit Brillen rumlaufen, die automatisch jeden Moment für uns festhalten und online stellen?

In der Tat kommt immer wieder das Gefühl auf, dass es inzwischen fast nur noch darum geht, Bilder und Videos aufzunehmen, um sich im Netz darzustellen, und gar nicht mehr um die Sache oder den Moment selbst. Diese Kritik kommt vor allem im Zusammenhang mit Instagram auf. Ich persönlich glaube, dass es eine Gegenbewegung geben wird, dass man nicht geknechtet wird von den sozialen Netzwerken und dass man auch bewusst das Handy wieder öfter mal weglegt und sich ganz dem Augenblick widmet. Aber hauptsächlich geht es darum, sich gewissermaßen davon zu lösen und eine Balance zu finden, wie man Technologie sinnvoll implementieren kann, ohne sich von ihr völlig bestimmen und dominieren zu lassen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die gefilterte Realität bzw. die häufig vorgegaukelte Perfektion, die als Lifestyle dargestellt wird. Das zeigt sich nicht nur an Kamera-Filtern, die unsere Haut perfekt aussehen lassen, sondern auch in der Auswahl der dargestellten Ereignisse. Denn wenn sich irgendwann alle nur mehr Eis essend am Strand oder Spritzer trinkend im Sonnenuntergang zeigen, verliert das mit der Zeit auch an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.

Zum Abschluss: Was ist dein bester Tipp fürs Netzwerken mit der jungen Generation? In welche Richtung soll man sich ausrichten?

Auf jeden Fall Authentizität. Keine Pseudo-Jugendlichkeit, das kommt nicht gut an. Schon mit einem gewissen Humor auf die Sachen eingehen – man darf auch ruhig die erfrischende Erheiterung, die damit verbunden ist, zulassen – aber nicht zwanghaft jedem Trend nachrennen. Vor allem darf es nicht anbiedernd wirken. Aber man kann sich durchaus mit den neuen Plattformen auseinandersetzen und schauen, was sich für Möglichkeiten bieten, weil das hält einen ja auch selber frisch, flott und jung. Hauptsache authentisch, sich selbst treu bleiben.

Herzlichen Dank für das Interview, lieber Josef Mantl!

Hier finden Sie Dr. Josef Mantl, M.A. im Netz: josefmantl.com und JMC.cc

Mehr zur Episode unter www.magdableckmann.at/sa72


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